Tech Talks

Modbus-RTU-Sensor mit Peakboard adressieren: Ein Leitfaden von Grund auf

Die meisten Modbus-Sensoren sind RTU-Geräte, die nur seriell sprechen. Dieser Leitfaden geht das Gateway, die Verdrahtung und die Peakboard-Datenquelle durch – von den beiden Datenleitungen des Sensors bis zum formatierten Wert auf dem Dashboard.

21.08.2024

·

5 Min. Lesezeit

Automatisierte Produktionslinie in der Getränkeindustrie mit Förderbändern und Flaschenabfüllung.
Das Wichtigste in Kürze
  • Modbus hängt mehrere Sensoren an einen Bus, jeder mit eigener Adresse.
  • Die meisten Sensoren sind Modbus RTU und kommunizieren seriell über RS-485.
  • Peakboard bindet über Modbus TCP an – ein serieller Sensor braucht deshalb ein RTU-zu-TCP-Gateway dazwischen.
  • Im Peakboard Designer trägst du die IP-Adresse des Gateways und die Unit ID des Sensors ein – mehr nicht.
  • Skalierung und Einheiten erledigen die Standard-Formatierungsoptionen, ganz ohne Scripting.

Peakboard bindet Modbus-Geräte über Modbus TCP an. Ein serieller Modbus-RTU-Sensor erreicht Peakboard deshalb über ein RTU-zu-TCP-Gateway: Du legst die beiden Datenleitungen des Sensors auf das Gateway, hängst das Gateway ins selbe LAN wie die Peakboard Box und trägst im Peakboard Designer die IP-Adresse des Gateways und die Unit ID des Sensors ein. Danach wählst du die Eingangsregister aus, setzt Multiplikator und Einheit – und der Messwert steht auf dem Bildschirm, ganz ohne Scripting.

Was Modbus eigentlich macht

Die Idee hinter Modbus ist, mehrere Sensoren an einen Bus zu hängen, wobei jeder Sensor eine eigene Adresse hat. Immer wenn der Master – eine SPS, in diesem Fall Peakboard – einen Wert will, sendet er ein Anfragepaket mit der Adresse des Sensors auf den Bus, und der Sensor antwortet mit seinen Daten. Schneider Electric hat das Protokoll in den späten 1970er Jahren erfunden, und es ist bis heute weit verbreitet – vor allem, weil es einfach genug ist, um auf nahezu jedem Gerät implementiert zu werden.

In welchem Registertyp steht dein Wert?

Je nach Art der Antwort organisiert Modbus den Datenaustausch in vier Hauptstrukturen:

  • Diskreter Eingang – ein nur lesbares Bit, zum Beispiel ein Endschalter
  • Coil beziehungsweise diskreter Ausgang – ein beschreibbares Bit, zum Beispiel ein Relais
  • Halteregister – ein beschreibbares Register für Befehls- und Konfigurationswerte
  • Eingangsregister – ein nur lesbares Register mit dem tatsächlichen Messwert des Sensors

Da wir Sensorwerte abfragen, ist das Eingangsregister das richtige.

Modbus RTU vs. Modbus TCP und die nötige Hardware

Die meisten Modbus-Sensoren sind RTU-Sensoren, die nur seriell kommunizieren. Dieser Standard heißt RS-485. Im Beispiel hier kommt ein Temperatur- und Feuchtesensor XY-MD02 mit RS-485-Kommunikation zum Einsatz. Neben den beiden Stromleitungen hat er genau zwei Kommunikationsleitungen.

Modbus TCP transportiert dasselbe Protokoll über gewöhnliches Ethernet, standardmäßig auf Port 502. Register, Adressen und Werte sind in beiden Fällen gleich – nur der Transportweg unterscheidet sich.

Temperatur- und Feuchtesensor XY-MD02 mit RS-485 auf einer Hutschiene, mit angeschlossenen Strom- und Kommunikationsleitungen.

Warum du ein Modbus-RTU-zu-TCP-Gateway brauchst

Peakboard funktioniert am besten, wenn es ein Gerät über ein modernes Netzwerk erreicht, statt mit einzelnen Kabeln und serieller Kommunikation zu hantieren. Genau dafür ist ein Modbus-RTU-zu-TCP-Gateway da – ein Serial-to-Ethernet-Konverter: Er macht aus der seriellen Leitung etwas, das über ein gewöhnliches LAN-Kabel adressierbar ist. Das Protokoll selbst bleibt dasselbe, das Gateway ist rein ein physikalischer Konverter. Peakboard bindet über Modbus TCP an, und dieser Konverter macht jeden Modbus-Sensor dafür erreichbar und adressierbar. Der Sensor wird an den Konverter angeschlossen, der Konverter hängt im selben LAN wie die Peakboard Box und der Peakboard Designer. Ein Gateway bedient dabei alle Sensoren am selben RS-485-Bus – ein zweiter oder dritter Sensor bedeutet also nicht automatisch einen zweiten oder dritten Konverter.

Die Modbus-Datenquelle im Peakboard Designer konfigurieren

Verglichen mit dem eben beschriebenen Hardware-Aufbau ist die Software-Seite kurz. Zwei Dinge kommen in den Peakboard Designer:

  • Die IP-Adresse des RTU-zu-TCP-Konverters
  • Die Busadresse des Sensors innerhalb des Modbus-Bussystems – die Unit ID. In diesem Fall: 1

Anschließend legst du fest, dass mehrere Eingangsregister gelesen werden sollen und wie viele Datenpunkte zu erwarten sind – hier zwei, Temperatur und Feuchte. Im Idealfall funktioniert die Vorschau sofort und zeigt die Live-Werte an.

Peakboard-Einstellungsdialog mit Datenvorschau und Formatierung von Temperatur- und Feuchtewerten, relevante Parameter hervorgehoben.

Werte formatieren, ohne eine Zeile Script

Modbus liefert ganze Zahlen, und wie sie zu interpretieren sind, entscheidet das Gerät. Dieser Sensor meldet die Temperatur in Zehntelgrad und die Feuchte in Zehntelprozent – eine rohe 224 bedeutet also 22,4 °C. Um das zu korrigieren, ist kein Scripting nötig: Die Standard-Formatierungsoptionen setzen Multiplikator, Maßeinheit und Anzahl der Dezimalstellen. Mehr ist es nicht.

Visualisierung von Temperatur- und Feuchtedaten im Peakboard-Dashboard mit Formatierungsoptionen für Dezimalstellen und Einheiten.

Der Teil, den dir kein Leitfaden abnimmt

Wie dieser Artikel zeigt, ist Modbus über TCP wie über RTU gut beherrschbar – solange du deine Hardware gut kennst und die Grundlagen von Modbus verstehst. Wichtiger ist zu wissen, wie sich der Sensor im Kontext der seriellen Kommunikation tatsächlich verhält. Leider führt kein Weg daran vorbei, die Dokumentation jedes einzelnen Sensors zu lesen. Es gibt keinen Standard dafür, wie Werte adressiert und interpretiert werden. Jeder Hersteller hat seine eigene Implementierung.
Visualisierung von Sensordaten mit Temperaturanzeige 22 °C und Luftfeuchtigkeit 38,4 % als Symbole auf schwarzem Hintergrund.

Wie es weitergeht

Sobald die Messwerte in Peakboard sind, können sie auf ein Dashboard, mit anderen Quellen kombiniert und auch wieder ans Gerät zurückgeschrieben werden. Die Seite zur Modbus-Datenanbindung zeigt, was Peakboard über Modbus TCP liest und schreibt. Bei Maschinen, die bereits eine moderne Schnittstelle bieten, ist die OPC-UA-Datenanbindung meist der kürzere Weg, und die vollständige Übersicht der Datenanbindungen zeigt, was sonst noch auf demselben Bildschirm Platz findet. Den Peakboard Designer gibt es als kostenlosen Download, wenn du den Aufbau selbst ausprobieren willst.

Datenanbindung

Modbus mit Peakboard

Sieh dir an, was Peakboard über Modbus TCP liest und schreibt – und wie die Werte auf dem Shopfloor-Dashboard landen.

Was ist Modbus RTU?

Modbus RTU ist die serielle Variante des Modbus-Protokolls. Mehrere Sensoren hängen an einem Bus, jeder mit eigener Adresse, und werden vom Master abgefragt.

Was ist der Unterschied zwischen Modbus RTU und Modbus TCP?

Modbus RTU läuft über eine serielle Verbindung, meist RS-485. Modbus TCP läuft über gewöhnliches Ethernet, standardmäßig auf Port 502. Register und Werte sind identisch – nur der Transportweg unterscheidet sich. Ein RTU-zu-TCP-Gateway verbindet serielle Sensoren mit dem Netzwerk.

Unterstützt Peakboard Modbus RTU?

Peakboard bindet über Modbus TCP an. Serielle RTU-Sensoren werden über ein Modbus-RTU-zu-TCP-Gateway angeschlossen, eine Standard-Hardware, die die serielle Leitung auf Ethernet umsetzt. Ein Gateway kann mehrere Sensoren am selben RS-485-Bus bedienen, und Peakboard liest sie dann wie jedes andere Modbus-TCP-Gerät.

In welchem Registertyp steht der Messwert eines Sensors?

Im Eingangsregister. Es ist nur lesbar und enthält den tatsächlichen Messwert. Halteregister sind beschreibbar und enthalten Befehls- und Konfigurationswerte, während diskrete Eingänge und Coils einzelne Bits tragen.

Wie binde ich einen Modbus-Sensor an Peakboard an?

Über die Modbus-Datenquelle, die direkt im Peakboard Designer konfiguriert wird – ohne Programmierung. Du trägst die IP-Adresse des Gateways und die Unit ID des Sensors ein, wählst die Eingangsregister aus, und die Werte lassen sich visualisieren.

Teile diesen Artikel:
Porträt von Michelle, lächelnd, Nahaufnahme vor hellem neutralem Hintergrund
Author: Michelle

Modernste Technik ist eine Leidenschaft von Michelle und sie liebt es, anderen von der interessanten Welt der Innovation zu erzählen. Als Technikenthusiastin bei Peakboard erkundet sie ständig die neuesten Trends und Entwicklungen.

Schneebedeckter Berg mit orangefarbener Markierung entlang des Gipfels.
Schwarz-weiß-Bild von schneebedeckten Bergen in einem Tal.
Weiße Wolken vor schwarzem Hintergrund, die in horizontalen Linien verlaufen.
Weiße Wolken vor schwarzem Hintergrund, die in horizontalen Linien verlaufen.