Shopfloor Management

Digitales Andon Board: Echtzeit-Transparenz in der Produktion

Was ist ein digitales Andon Board, wie funktioniert es und welche Vorteile bringt es in der Produktion? Praxisleitfaden mit Beispielen und Einführung in 5 Schritten.

01.06.2026

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11 Min. Lesezeit

Digitales Andon Board zeigt Stationsstatus mit Ampelsystem, Produktionsfluss und Störungsanzeige in Echtzeit.
Das Wichtigste in Kürze
  • Ein digitales Andon Board visualisiert Maschinen- und Prozessstatus in Echtzeit.
  • Es ersetzt die klassische Andon-Leuchte durch dynamische Dashboards an beliebigen Datenquellen.
  • Typische Quellen: SPS, OPC UA, MQTT, Datenbanken und ERP-Systeme wie SAP.
  • Nutzen: kürzere Reaktionszeiten, weniger Stillstand, mehr Transparenz am Shopfloor.

Eine Maschine steht still – und im Hallenbetrieb merkt es minutenlang niemand. Genau diese Lücke schließt ein digitales Andon Board: Es macht den Zustand der Produktion in Echtzeit sichtbar und alarmiert automatisch die richtigen Personen, bevor aus einer kurzen Störung ein teurer Stillstand wird.

Was ist ein digitales Andon Board?

Ein digitales Andon Board ist eine softwarebasierte Tafel, die Produktionsstatus, Stückzahlen, Taktzeiten und Störungen in Echtzeit anzeigt. Der Begriff „Andon“ stammt aus dem Toyota-Produktionssystem und bezeichnet ein visuelles Signalsystem, das Mitarbeitende sofort auf Probleme im Prozess aufmerksam macht. Während die klassische Variante eine einfache Ampel mit Rot, Gelb und Grün ist, lässt sich die digitale Variante mit beliebigen Maschinendaten und Kennzahlen verknüpfen.

Damit wird das Andon Board vom reinen Warnlicht zu einem zentralen Baustein im Shopfloor Management: Es bündelt Informationen, die sonst verstreut in einzelnen Maschinen und Systemen liegen.

Wie funktioniert ein digitales Andon Board?

Datenquellen anbinden

Ein digitales Andon Board ist nur so gut wie seine Datenbasis. Über Schnittstellen wie SPS, OPC UA, MQTT oder direkte Datenbank- und ERP-Verbindungen fließen Maschinenzustände, Mengen und Taktzeiten in Echtzeit auf das Board. Wie aus einem einfachen Sensorsignal eine verwertbare Information wird, zeigt der Beitrag Vom Sensor zum Aktor.

Signalisierung und Eskalation

Sobald ein definierter Schwellenwert verletzt wird – etwa ein Maschinenstopp oder ein Unterschreiten der Soll-Stückzahl – wechselt das Board den Status und löst eine Eskalation aus. Das kann eine farbliche Anzeige, ein Hinweis auf einem Großbildschirm oder eine Benachrichtigung an Instandhaltung und Schichtleitung sein. So wird aus passiver Anzeige aktive Shopfloor-Kommunikation.

Andon Board vs. Andon System: Was ist der Unterschied?

Die beiden Begriffe werden oft synonym verwendet, bezeichnen aber unterschiedliche Dinge. Das Andon Board ist die visuelle Anzeigeeinheit – das Display in der Halle, das zeigt, welche Linie läuft und wo es hakt. Das Andon System ist das Gesamtkonzept dahinter: Board plus Signalgebung plus Eskalationslogik plus Datenanbindung.

Ein vollständiges Andon System besteht typischerweise aus drei Komponenten:

  • Andon Board: Die visuelle Anzeige – digital auf einem Großbildschirm oder als App auf dem Tablet.
  • Signalgebung: Andon-Leuchte (Ampelsystem), akustisches Signal oder Push-Benachrichtigung.
  • Auslöser: Manuell per Andon-Knopf oder automatisch durch einen Schwellenwert aus den Maschinendaten.

Peakboard bildet das vollständige Andon System ab – von der SPS-Anbindung über die Echtzeit-Visualisierung bis zur automatischen Teams- oder Slack-Benachrichtigung, wenn eine Maschine steht.

Klassisches vs. digitales Andon Board

Die klassische Andon-Leuchte signalisiert nur einen Zustand und muss manuell ausgelöst werden. Ein digitales Andon Board erfasst Zustände automatisch, kombiniert mehrere Kennzahlen, speichert den Verlauf für Auswertungen und lässt sich ohne Hardware-Änderung anpassen. Das macht es zu einem zentralen Werkzeug der visuellen Werkersteuerung.

Vorteile für Produktion und Instandhaltung

  • Kürzere Reaktionszeiten: Störungen werden sofort sichtbar, statt erst bei der nächsten Runde aufzufallen.
  • Weniger Stillstand: Schnellere Eskalation reduziert ungeplante Ausfallzeiten messbar.
  • Mehr Transparenz: Alle Beteiligten sehen denselben Status – vom Werker bis zur Werkleitung.
  • Datenbasierte Verbesserung: Der gespeicherte Verlauf zeigt wiederkehrende Engpässe und liefert die Grundlage für kontinuierliche Optimierung.

Praxisbeispiel: Andon Board mit FORCAM-Maschinendaten

Wie ein digitales Andon Board in einer realen Fertigungsumgebung aussieht, zeigt das Beispiel einer Produktion, die FORCAM als MES-System einsetzt. FORCAM liefert über seine API kontinuierlich Maschinenzustände, OEE-Werte und Auftragsfortschritte – genau die Datenbasis, die ein Andon Board braucht.

Peakboard bindet die FORCAM-API direkt an und visualisiert die Daten ohne Zwischenschicht: Linienstatus in Rot-Gelb-Grün, aktuelle Stückzahl gegen Soll-Vorgabe, OEE-Verlauf der letzten Stunden. Wenn eine Maschine in den Fehlerzustand wechselt, ändert das Board sofort die Farbe und sendet – gekoppelt mit dem digitalen Rufsystem – eine Benachrichtigung an die zuständige Instandhaltungsgruppe. Die Reaktionszeit sinkt, weil niemand erst suchen muss.

Das Entscheidende an diesem Setup: Die Daten fließen bereits aus FORCAM – Peakboard visualisiert sie nur dort, wo sie gebraucht werden: direkt an der Linie, für jeden sichtbar. Keine neue Datenerfassung, kein zusätzliches System, kein IT-Projekt.

Andon Cord, Andon-Knopf und Andon-Taster: der manuelle Auslöser

Nicht jede Störung lässt sich automatisch aus Maschinendaten erkennen. Qualitätsprobleme, fehlendes Material oder unsichere Situationen erkennt der Werker – und muss sie schnell melden können.

Dafür gibt es in Andon-Systemen drei typische Hardware-Auslöser:

  • Andon Cord: Die klassische Reißleine aus dem Toyota-Produktionssystem. Zug am Seil stoppt die Linie oder löst einen Alarm aus. Heute meist durch digitale Äquivalente ersetzt.
  • Andon-Knopf / Andon-Taster: Ein physischer Taster am Arbeitsplatz, den der Werker drückt. Peakboard unterstützt gängige Industrie-Taster über digitale Eingänge der Peakboard Box oder über Drittanbieter wie Leetech-Buttons.
  • Touch-Schaltfläche: Ein Button auf dem Dashboard selbst – für Umgebungen ohne physischen Taster oder als Ergänzung dazu.

In allen drei Fällen landet das Signal im Andon System von Peakboard und löst dieselbe Eskalationslogik aus: Statusänderung auf dem Board, Benachrichtigung an die zuständige Gruppe, Protokolleintrag mit Zeitstempel.

Andon im Lean Management

Im Lean Management ist Andon Teil des visuellen Managements: Informationen sollen dort sichtbar sein, wo Entscheidungen getroffen werden – an der Linie, in Echtzeit, für jeden. Digitale Andon Boards erweitern dieses Prinzip, indem sie nicht nur manuell ausgelöste Signale zeigen, sondern automatisch aus Maschinendaten generierte Zustände – ohne dass jemand einen Knopf drücken muss.

Die Verbindung zum Shopfloor Meeting ist direkt: Was das Andon Board in Echtzeit zeigt, wird im täglichen SQCDP-Meeting ausgewertet und in Maßnahmen übersetzt. Andon liefert das Signal, das Meeting liefert die Reaktion.

In 5 Schritten zum digitalen Andon Board

  1. Relevante Kennzahlen und Störungsfälle definieren.
  2. Datenquellen identifizieren und anbinden (SPS, OPC UA, MQTT, ERP, MES).
  3. Schwellenwerte und Eskalationslogik festlegen.
  4. Anzeige für Halle und Endgeräte gestalten.
  5. Pilot starten, Feedback einholen, ausrollen.

Das Andon-Board von Peakboard lässt sich an einer einzigen Linie starten und schrittweise ausrollen. Wer den größeren Rahmen sucht, findet im Leitfaden In 10 Schritten zum digitalen Shopfloor Management die passende Gesamtstrategie – umgesetzt mit der Shopfloor Management Software von Peakboard.

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Häufige Fragen zum digitalen Andon Board

Was bedeutet „Andon“?

„Andon“ ist ein japanischer Begriff für eine Signalleuchte und stammt aus dem Toyota-Produktionssystem. Er bezeichnet ein visuelles System, das Probleme im Prozess sofort sichtbar macht – ein Kernelement des Lean Managements.

Was ist der Unterschied zwischen Andon Board und Andon System?

Das Andon Board ist die visuelle Anzeigeeinheit. Das Andon System ist das Gesamtkonzept: Board plus Signalgebung (Leuchte, Knopf, Taster) plus Eskalationslogik plus Datenanbindung. Peakboard bildet das vollständige Andon System ab.

Was ist ein Andon Cord?

Der Andon Cord ist die klassische Reißleine aus dem Toyota-Produktionssystem – Zug am Seil stoppte die Linie. Heute meist durch digitale Auslöser ersetzt: physische Taster, Buttons auf dem Dashboard oder automatische Schwellenwerte aus Maschinendaten.

Welche Datenquellen kann ein digitales Andon Board nutzen?

Typische Quellen sind SPS-Steuerungen, OPC UA, MQTT, Datenbanken und ERP-Systeme wie SAP. Darüber fließen Maschinenzustände, Taktzeiten und Stückzahlen direkt auf das Board.

Brauche ich neue Hardware?

In vielen Fällen nicht. Ein digitales Andon Board nutzt vorhandene Steuerungen und Displays. Für manuelle Auslöser lassen sich gängige Industrie-Taster anbinden – oder ein einfacher Touch-Button auf dem Dashboard genügt.

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Author: Peakboard Redaktion

Die Peakboard Redaktion schreibt über Digitalisierung, Datenvisualisierung und Prozessoptimierung in Industrie und Logistik. Der Fokus liegt auf praxisnahen Lösungen, aktuellen Entwicklungen und verständlich aufbereitetem Fachwissen.

Schneebedeckter Berg mit orangefarbener Markierung entlang des Gipfels.
Schwarz-weiß-Bild von schneebedeckten Bergen in einem Tal.
Weiße Wolken vor schwarzem Hintergrund, die in horizontalen Linien verlaufen.
Weiße Wolken vor schwarzem Hintergrund, die in horizontalen Linien verlaufen.